Geschichte und Entstehung der Stadt Reinheim

Reinheim wurde 1260 von den Grafen von Katzenelnbogen gegründet, die dort einige Jahre später ein nicht mehr erhaltenes Wasserschloss errichteten. Bereits 1318 wird Reinheim als Stadt genannt. Das Stadtwappen von Reinheim gleicht dem der Stadt Katzenelnbogen, dem Stammsitz der Grafschaft.

Ab 1375 ging Werner Kalb von Reinheim als Raubritter in die Geschichtsbücher ein. Er war Vasall von Graf Diether VIII. von Katzenelnbogen und startete seine Raubzüge angeblich von der benachbarten Burg Nieder-Modau aus. 1382 haben in „Werner Kalbs Krieg“ Reisige der Städte Frankfurt, Mainz und Worms erhebliche Schäden in Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und auf dem Hofgut Illbach (Eulbach) angerichtet.

Hof und Burg Reinheim wurden um 1276/77 erstmals urkundlich erwähnt. Ueberau hatte 1305 die erste urkundliche Erwähnung, Georgenhausen 1318, Zeilhard und Spachbrücken folgten 1323.

In den historischen Dokumenten ist Reinheim im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Schreibweisen des Ortsnamens belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[7] Rinheim (1276–1277, 1286, 1326, 1330); Rinheym (1330); Ryneheim (1338); Rynhem (1427): Rynheym (1493); Reinheim (1516); Rheinheim (16. Jahrhundert); Reinheimb (1620); Rainheim (1679).

Über die Entstehung des Namens Reinheim gibt es unterschiedliche Annahmen. Die einen leiten ihn von einem Personennamen, etwa Regino ab, andere sehen einen Zusammenhang mit dem vorgermanischen Wort für Fluss. Früh entstand eine fränkische Siedlung an der Mündung der über den südwestlichen Odenwald führenden Hohen Straße ins Gersprenztal. Zu ihr gehörte auch eine Kirche auf dem Friedhofsberg, die wohl im 11. Jahrhundert dem heiligen Nikolaus geweiht wurde. Eine Legende handelt von einer Frau namens Katharina die Reine. Sie soll einen Ritter mit einer schweren ansteckenden Krankheit geheilt haben. Aus Dankbarkeit habe dessen Vater veranlasst, die Stadt nach ihr zu benennen. In der Ersterwähnung 1276 gehört ein Hof Reinheim den Grafen von Katzenelnbogen. Im 13. Jahrhundert erfolgte eine planmäßige Gründung der Stadt mit quadratischem Grundriss und symmetrischer Anlage durch die Grafen von Katzenelnbogen. 1480 bestätigt Landgraf Heinrich von Hessen den Freiheitsbrief der Stadt. 1511 belehnt Kurfürst Ludwig von der Pfalz Landgraf Wilhelm von Hessen mit den von Graf Philipp von Katzenelnbogen besessenen pfälzischen Lehen. Die Herrschaft üben in Reinheim von 1300 bis 1479 die Grafen von Katzenelnbogen, von 1479 bis 1567 die Landgrafen von Hessen und ab 1567 die Landgrafen von Hessen-Darmstadt aus. Reinheim lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtiere und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Reinheim gehörte zum „Reinheim Reiswagen“, zu dem neben der Stadt auch die zugehörigen Mühlen und Höfe sowie Ueberau gehören. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zent Oberramstadt und das mit ihr verbundene Zentgericht endgültig seine Funktion eingebüßt. 1806 ging die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt in dem auf Druck Napoleons gebildeten Großherzogtum Hessen auf. 1811 wird das Amt Lichtenberg in zwei Justizamter geteilt und Reinheim wird der Sitz eines Justizbeamten.

1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Ämter in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst, ihre Aufgaben in der Verwaltung Landratsbezirken, ihre Aufgaben in der Rechtsprechung Landgerichten übertragen. Für Reinheim war das Landgericht Lichtenberg als Gericht erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene neu. So war die Bürgermeisterei in Reinheim auch für Ueberau zuständig. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte, staatliche Schultheißen wurden nicht mehr eingesetzt.

Quelle: Wikipedia (Reinheim)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.